Sonderfahrt soll Potenziale aufzeigen
Reaktivierung der Strecke Meppen – Essen (Oldb.) als große Chance für die Region
Meppen. Die Geschichte der Meppen-Haselünner Eisenbahn ist wechselvoll, ihre Anfänge liegen weit zurück im 19. Jahrhundert. Damals wurden noch Personen auf der Strecke befördert. Und genau hier möchten die Landkreise Emsland und Cloppenburg wieder anknüpfen. Um die Potenziale einer künftigen Reaktivierung der Strecke Meppen – Essen (Oldb.) für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) aufzuzeigen, fuhr am vergangenen Freitag (3. Juli) ein prominent besetzter Sonderzug von Meppen nach Löningen und zurück.
Mit dabei waren die beiden Landräte Marc-André Burgdorf (Landkreis Emsland) und Johann Wimberg (Landkreis Cloppenburg), sowie Gäste aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, Verbänden, Institutionen und Wirtschaft. „Die SPNV-Sonderfahrt soll ein erster Vorgeschmack auf ein ,Was wäre, wenn´ sein. Eine Rückkehr des Personenverkehrs auf dieser Verbindung wäre eine große Chance für Berufspendler, Schüler, Reisende und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Verkehrs- und Klimawende. Wir setzen mit dieser Aktion ein Zeichen, dass wir uns als Landkreise zusammen mit den Kommunen aktiv dafür einsetzten und alle gemeinsam voll hinter der Reaktivierung der Strecke stehen“, sagte Landrat Marc-André Burgdorf.
Sein Cloppenburger Landratskollege Johann Wimberg ergänzte: „Wir fahren heute mit dem Zug auf Schienen, die eine lange Tradition haben und auf denen wir ganz bewusst den Blick nach vorn richten. Die Bahn ist für uns mehr als nur ein Transportmittel für den heutigen Tag. Er ist das greifbare Zeichen einer gemeinsamen Idee, die zwei Landkreise und eine ganze Region verbindet. Die geforderten Investitionssummen sind hoch und der Weg ist kein Selbstläufer. Aber genau deshalb sitzen wir heute gemeinsam in diesem Zug. Weil wir im Oldenburger Münsterland und im Emsland wissen, dass man dicke Bretter bohren muss, wenn man echten Fortschritt will. Die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs ist für uns als Landkreise ein wichtiger Baustein für eine zukunftsfähige Infrastruktur im ländlichen Raum“
Die rund 51 km lange Strecke zwischen Meppen und Essen (Oldb.) wird derzeit ausschließlich für den Güterverkehr und die Museumseisenbahn genutzt, hat aber großes Potential für einen Ausbau der Strecke im SPNV. Als die Bahnverbindung 2020 durch die Reaktivierungsabsichten des Landes Niedersachsen wieder stärker in den Fokus der Verkehrsplanung rückte, ergab eine 2021 durch die Technische Universität Braunschweig erstellte Machbarkeitsstudie, dass auf der Strecke ein attraktiver Stundentakt mit modernen Triebwagen technisch realisierbar ist.
Ein ebenso positives Fazit zog die Nutzen-Kosten-Untersuchung im selben Jahr von der PTV Transport Consult GmbH aus Karlsruhe. Ergebnis hier: Das Projekt gilt als wirtschaftlich sinnvoll. Die Studie prognostizierte bei Befahrung im Stundentakt täglich rund 3.200 Fahrgäste auf der Linie. Besonders profitieren die Orte Haselünne, Löningen und Meppen.
Eine zusätzliche Analyse der Investitionskosten wies eine deutliche Reduktion der zunächst veranschlagten Gesamtkosten für eine Reaktivierung von rund 106,9 Mio. Euro auf etwa 64,2 Mio. Euro aus. Diese Analyse wurde von der Ingenieurgesellschaft für Verkehrs- und Eisenbahnwesen mbH anlässlich der Sonderfahrt aktuell noch einmal vorgestellt. „Für etwa 64 Mio. Euro wäre eine Reaktivierung und Nutzung der Strecke für den SPNV somit möglich“, hoben Burgdorf und Wimberg noch einmal hervor.
Bislang gelang die Reaktivierung trotz der guten Prognosen nicht: 2023 kam es zum vorläufigen Aus im Landesprogramm. Die Strecke zählte nicht zu den 14 von ursprünglich 54 vorgeschlagenen Bahnstrecken, die berücksichtig wurden. Anfang 2024 gelang es erneut, die Strecke im Auswahlverfahren zu positionieren. 2025 schied sie aber aufgrund der hohen Investitionskosten von damals noch über 106 Mio. Euro erneut aus. „Hier ist inzwischen nachgesteuert worden. Ungeachtet dessen wurde die Infrastruktur in den vergangenen Jahren kontinuierlich modernisiert. Damit wurden wesentliche Voraussetzungen geschaffen, um die Verbindung leistungsfähig zu erhalten und die Grundlagen für eine mögliche künftige Reaktivierung im SPNV zu schaffen“, betont Burgdorf. Von 2013 bis heute flossen rund 14,5 Mio. Euro in die Erneuerung und den Ausbau der Strecke. Mit der Sonderfahrt soll vor diesem Hintergrund noch einmal deutlich gemacht werden, welche Ressourcen mit einer Wiederaufnahme des Personenverkehrs ausgeschöpft werden können.
Nähere Informationen zur Geschichte der Bahnstrecke, Hintergründe zur Reaktivierung und mehr sind unter https://www.meppen-essen.de/ zu finden.
Blick zurück: 1894 nahm die Meppen-Haselünner Eisenbahn ihren regelmäßigen Betrieb zwischen Meppen und Haselünne auf. Der Ausbau der Strecke bis nach Essen (Oldb.) erfolgte 1907. Im Dezember 1970 fand die Nutzung der Strecke durch den Personenverkehr ihr vorläufiges Ende. Ausschließlich der Güterverkehr und ab 1988 auch museale Fahrten der Eisenbahnfreunde Hasetal Haselünne rollen bis heute über die Schienen. 1993 fusionierten die Meppen-Haselünner Eisenbahn mit der Hümmlinger Kreisbahn zur Emsländischen Eisenbahn, die seit 1997 als GmbH firmiert.
Bild 1: Der Sonderzug, mit dem die Potenziale einer künftigen Reaktivierung der Strecke verdeutlicht wurden, kam auf der Verbindung zwischen Meppen und Löningen zum Einsatz.

Bild 2: Die Landräte Marc-André Burgdorf (Landkreis Emsland, 2. v. l.) und Johann Wimberg (Landkreis Cloppenburg) (3. v. l.) rühren gemeinsam mit Kreisentwicklungsdezernent Michael Steffens vom Landkreis Emsland (l.), Ansgar Meyer, Erster Kreisrat des Landkreises Cloppenburg (2. v. r.), und Daniel Plaggenborg von der EEB die Werbetrommel für die Reaktivierung der Strecke Meppen – Essen (Oldb.).

Bild 3: Die Region steht geschlossen hinter der Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Bahnverbindung. Geladene Gäste aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, Verbänden, Institutionen und Wirtschaft waren zahlreich erschienen, um das Projekt zu unterstützen. (Fotos: Landkreis Emsland)