Leitstelle Ems-Vechte beteiligt sich an „Verinet“
Erprobung neuer Wege in der Notfallversorgung – Bundesweit einzigartiges Projekt
Meppen/Nordhorn. Mit rund sieben Mio. Euro Innovationsförderung durch den „Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)“ geht ein bundesweit einzigartiges Projekt an den Start: „Verinet“ soll die Notfallversorgung in Deutschland deutlich verbessern und gezielter steuern. Die Leitstelle Ems-Vechte, die die Notrufe des Rettungsdienstes und der Feuerwehr für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim sowie entsprechende Hilfeleistungen koordiniert, nimmt als eine von zwei Regionen in Deutschland an dem Projekt teil.
Die Notfallversorgung steht aktuell vor einem grundlegenden Problem: Wer die 112 wählt, erhält häufig einen Rettungswagen, auch dann, wenn ein Arztbesuch am nächsten Tag ausreichen würde. Wer hingegen die 116117 kontaktiert, landet beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst, obwohl möglicherweise eher pflegerische Hilfe benötigt wird. „Viele Menschen suchen aus Unsicherheit direkt eine Notaufnahme auf, die eigentlich für schwere Fälle gedacht ist. In der Folge sehen wir Fehlsteuerung, unnötige Einsätze, überfüllte Notaufnahmen, alles Entwicklungen, die das Rettungssystem belasten“, sagen die beiden Landräte Uwe Fietzek (Landkreis Grafschaft Bentheim) und Marc-André Burgdorf (Landkreis Emsland).
Genau hier setzt Verinet an: Speziell geschulte Fachkräfte (Case-Manager) in den Leitstellen unterstützen künftig dabei, Hilfesuchende gezielt in die richtige Versorgung zu lenken - ob Hausarzt, Videosprechstunde, Pflegeangebote oder bei Bedarf natürlich weiterhin der Rettungsdienst. „Mit dem zentralen Ansprechpartner Verinet ist eine bessere Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen und eine klare Steuerung gewährleistet. Das Projekt sichert die richtige Hilfe, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit durch die richtige Fachkraft“, betonen die beiden Landräte. „Die Notfallversorgung bedarf dringend einer Reform und dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen, effizienten und patientengerechten Notfallversorgung“, sagen Fietzek und Burgdorf.
Das Besondere an dem Projekt ist, das es sowohl im städtischen Raum im Bereich der Integrierten Leitstelle Mannheim als auch im ländlichen Bereich, in der Region der Leitstelle Ems-Vechte, erprobt wird. „So wird sichergestellt, dass die Lösungen überall funktionieren“, sagen Sascha Lehky und Michael Albers vom Vorstand der Leitstelle Ems-Vechte.
Zum Projekt:
Verinet steht für „Vernetzte und Integrierte Notfallversorgungs- und Einsatzsteuerung“. Das Institut für Gesundheits- und Life-Sciences-Recht der Technischen Hochschule Mannheim leitet das Projekt und verantwortet die gesundheitsrechtliche Begleitung, während die Universität Maastricht mit ihrem Care and Public Health Research Institute die versorgungswissenschaftliche Begleitung übernimmt. Die wissenschaftliche Evaluation wird durch das Wiesbaden Institute for Healthcare Economics and Patient Safety (WiHelP) der Hochschule RheinMain durchgeführt. Vonseiten der Krankenkassen wird das Projekt vom Verband der Ersatzkassen begleitet. Das Vorhaben folgt den Empfehlungen der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung. Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren; Projektstart ist am 1. Oktober 2026. Die Aufnahme des operativen Betriebs ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Hintergrund:
Der gemeinsame Bundesausschuss ist das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands. Er ist durch den Gesetzgeber beauftragt, in der gesetzlichen Krankenversicherung über die Leistungsansprüche von rund 74 Millionen Versicherten rechtsverbindlich zu entscheiden. Der Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) fördert neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen und das Potenzial haben, die Versorgung von Patienten nachhaltig zu verbessern.