05.01.2026

Kriegsende vor 80 Jahren im Fokus

Gedenkstätte Esterwegen schaut auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück

 

Esterwegen. Das Jahr 2025 stand ganz im Zeichen des Erinnerns und Gedenkens an das Kriegsende vor 80 Jahren. Zahlreiche Vorträge, darunter die bewegenden Zeitzeugenberichte der Brüder Albert und Hermann Vinke über das Kriegsende in Rhede, schilderten die Ereignisse von 1945 auf eindrucksvolle Weise.

 

Ein weiterer Höhepunkt war die Vorstellung der Graphic Novel „Widerstand” durch den Zeichner und Autor Niels Schröder. In einem spannenden Vortrag und einer lebhaften Diskussion brachte er den Besucherinnen und Besuchern die Biografien der deutschen SPD-Politikerin Tony Sender sowie den Sozialdemokraten Julius Leber und Theodor Haubach – allesamt konsequente Verteidiger der Demokratie - näher. Julius Leber und Theodor Haubach waren aufgrund ihres mutigen Widerstands gegen den Nationalsozialismus auch im KZ Esterwegen inhaftiert.

 

Vom 12. bis 14. September konnte das Team der Gedenkstätte Esterwegen ein internationales Angehörigentreffen zum 80. Jahrestag der Befreiung der Emslandlager ausrichten. 45 Nachfahren ehemaliger Häftlinge und Gefangener – Kinder und Enkelkinder der zweiten und dritten Generation – reisten aus Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich, Polen, dem Vereinigten Königreich und den USA an. Die Begegnungen und Gespräche waren für alle Beteiligten sehr bewegend und bereichernd.

 

Ein weiterer Meilenstein wurde im Mai erreicht, als der 300.000. Besuchende seit der Eröffnung im Oktober 2011 begrüßt wurde. Im Jahr 2025 zählte die Gedenkstätte über 23.500 Gäste, von denen über 7830, also mehr als ein Drittel, Schülerinnen und Schüler regionaler und überregionaler Bildungseinrichtungen waren (2024: 22.768 Besuchende, davon 8.789 Schülerinnen und Schüler). „Das ist ein Grund zur Freude und Dankbarkeit“, sagt Landrat Marc-André Burgdorf, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Gedenkstätte. Der Landkreis Emsland habe sich bei Gründung der Gedenkstätte das Ziel gesetzt, dass alle emsländischen Schülerinnen und Schüler die Gedenkstätte im Rahmen der Demokratiebildung aufsuchen, so der Landrat weiter. Die gedenkstättenpädagogische Betreuung erfolgt durch ein Team von mehr als 20 ausgebildeten „Guides“.

 

Auch die Schriftenreihe hat sich weiter entfaltet. So sind die Broschüre „1945/2025: 80 Jahre Kriegsende und Befreiung der Emslandlager” sowie die fünfte überarbeitete Auflage des Begleitbandes „Hölle im Moor. Die Emslandlager 1933–1945“ herausgegeben worden. Zudem ist soeben die Dissertation von Martin Koers, Co-Leiter der Gedenkstätte, zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen der sowjetischen Kriegsgefangenen in den Lagern des Emslandes und der Grafschaft Bentheim von 1941 bis 1945 erschienen.

 

Im November 2025 ergaben sich im Stiftungsrat der Gedenkstätte Esterwegen kleinere personelle Veränderungen: Prof. Dr. Bernd Walter, der sich mehr als 40 Jahre lang mit der Geschichte der Emslandlager beschäftigt hatte, zog sich aus Altersgründen zurück. Neu in den Stiftungsrat berufen wurde Michael Grünberg, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Osnabrück. Zudem wurde Dr. Ann Katrin Düben zur stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungsrates gewählt.

 

Ein Ausblick auf das Jahr 2026: Es werden unter anderem die Wanderausstellung „Als Jüd:innen markiert und verfolgt. Jüdische Identitäten und NS-Tatorte in Sachsen-Anhalt” und die Graphic-Novel-Ausstellung „Das Unvorstellbare zeichnen/Picturing the Unimaginable” in der Gedenkstätte zu sehen sein. Darüber hinaus erscheint in der Schriftenreihe der Sammelband „Durchsetzung der Diktatur. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“, herausgegeben u.a. von Co-Gedenkstättenleiter Dr. Sebastian Weitkamp.

 

Im Rückblick betonen Koers und Weitkamp: „NS-Gedenkstätten stellen unverzichtbare Erinnerungsorte dar. Sie führen uns eindringlich vor Augen, wie fragil Demokratie und Menschenrechte sind. Sie rufen uns alle dazu auf, entschlossen gegen jede Form von Anfeindungen und Extremismus einzutreten, die die Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft bedrohen.“

 

 

Bild: Zu einem internationalen Angehörigentreffen im September des vergangenen Jahres waren 45 Nachfahren ehemaliger Häftlinge und Gefangener nach Esterwegen gekommen. (Foto: Gedenkstätte Esterwegen)