10.06.2026

Genug von der Rolle des Ausfallbürgen

Landkreis Emsland unterstützt Petition des Kreiselternrats zum Ausbau von Schulsozialarbeit

 

Meppen. Seit dem Jahr 2017 hat das Land Niedersachsen die Verantwortung für die soziale Arbeit in Schulen offiziell übernommen und als Landesaufgabe anerkannt. Dennoch ist die Schulsozialarbeit nicht an allen Schulen eingeführt. Das Land kommt seiner Verpflichtung zur Einrichtung von Stellen zur Schulsozialarbeit nur unzureichend nach. Der Landkreis Emsland befindet sich zudem seit Jahren in der Rolle des Ausfallbürgen und ist bei der Übernahme von finanziellen Leistungen eingesprungen. Der Kreiselternrat im Landkreis Emsland unter dem Vorsitz von Lilia Rüdiger-Gerdes kritisiert das Vorgehen des Landes Niedersachsen deutlich und will eine Petition zum Ausbau der Schulsozialarbeit in allen Schulformen in den Landtag einbringen. Volle politische Unterstützung erhält sie dabei vom Landtagsabgeordneten und Bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Fühner, und Landrat Marc-André Burgdorf.

 

„Schulsozialarbeit ist ein wichtiger Pfeiler des Schullebens und muss langfristig und flächendeckend als fester Bestandteil an allen Schulen etabliert werden. Das Land Niedersachsen steht hier in der Pflicht. Die Gesellschaft, in der Kinder heute aufwachsen, ist heterogener und komplizierter als noch vor einigen Jahren. Elternhäuser benötigen vielfach Unterstützung. Inklusion und Zuwanderung sind zwei weitere Stichworte in diesem Zusammenhang. Schulen stehen vor der Aufgabe, Kinder und Jugendliche sowohl mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten zu fördern, als auch mit kulturell und religiös unterschiedlichem Hintergrund zu integrieren“, betont Burgdorf.

 

Rüdiger-Gerdes hielt indes fest, dass sich der Landkreis Emsland sehr engagiert, damit Schulsozialarbeit überhaupt stattfinden kann. „Schulsozialarbeit ist die Grundlage, damit Demokratie, Sozialisation und Selbstwirksamkeit passieren können“, betont Rüdiger-Gerdes im Gespräch mit politischen Vertretern im Meppener Kreishaus. Dies müsse möglichst früh vermittelt werden: „Von klein auf in der Schule mit der richtigen Lernumgebung und einem multiprofessionellen Team ist dies zu erreichen“, erläutert die Vorsitzende, die selbst Erzieherin und Mutter ist. Zugleich entlastet Schulsozialarbeit Lehrkräfte, stärkt Eltern in Erziehungsfragen und bietet Kindern sowie Jugendlichen frühzeitig Hilfe in schwierigen Lebenssituationen an.

 

Die Wirklichkeit sieht leider anders aus: Wenngleich der Bedarf an Schulsozialarbeit in den vergangenen Jahren u. a. durch den Ausbau der Schulen zu Ganztagsschulen deutlich gestiegen ist, kann er vielerorts nicht gedeckt werden. Insbesondere auch an den Gymnasien ist vielfach keine oder nur eine unzureichende Versorgung vorhanden. Während die Oberschulen und Berufsbildenden Schulen verstärkt mit Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern durch das Land Niedersachsen versorgt sind, fördert der Landkreis Emsland die Schulsozialarbeit an Grundschulen. Bislang hat das Land an insgesamt einem Fünftel von aktuell 111 emsländischen Grundschulen Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter eingestellt. Den nicht durch das Land Niedersachsen gedeckten Bedarf kompensieren der Landkreis Emsland und die jeweiligen emsländischen Kommunen bereits seit 2012. Allein in den Jahren 2021 bis 2025 zahlte der Landkreis Emsland insgesamt über 1,28 Mio. Euro an die Städte und Gemeinden. Diese wendeten insgesamt fast 4,32 Mio. Euro für die Schulsozialarbeit auf. „Wir fordern das Land Niedersachsen auf, seinen Verpflichtungen nachzukommen, um die zusätzliche finanzielle Belastung von den Kommunen abzuwenden“, sagt Burgdorf.

 

Die originäre Zuständigkeit für die Schulsozialarbeit liegt beim Land Niedersachsen. Diese wurde am 12. Dezember 2016 zwischen dem Kultusministerium und den kommunalen Spitzenverbänden vereinbart. Die Ausgestaltung geht jedoch nur langsam voran.

Wer die Petition des Kreiselternrats zur sozialen Arbeit in den Schulen unterstützen möchte, kann dies unter diesem Link.

 

 

Bild: Der Kreiselternrat Emsland hat eine Petition zum Ausbau der sozialen Arbeit an allen Schulformen gestartet. Beim Gespräch signalisierten MdL Christian Fühner (3. v. l.) und Erster Kreisrat Martin Gerenkamp (l.) dem Kreiselternrat unter Vorsitz von Lilia Rüdiger-Gerdes (2. v. l.) die volle Unterstützung durch die Politik zu. (Foto: Landkreis Emsland)