Gemeinsam für mehr Artenvielfalt
Modellprojekt in Dersum stärkt Biotopverbund in der Agrarlandschaft
Dersum. Im Bereich der Gemeinde Dersum (Samtgemeinde Dörpen) startet ein auf zehn Jahre angelegtes Modellprojekt, das zeigen soll, wie sich Landwirtschaft und Naturschutz auch unter den Bedingungen eines hohen Flächendrucks und einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung erfolgreich miteinander verbinden lassen. Im Mittelpunkt steht der Aufbau eines wirksamen Biotopverbundes innerhalb der bestehenden Agrarlandschaft.
Die Besonderheit des Projekts: 29 von insgesamt 35 landwirtschaftlichen Betrieben in Dersum beteiligen sich. Damit wird das Vorhaben von einer breiten Mehrheit der örtlichen Landwirte getragen. „Diese große Bereitschaft zur Mitwirkung ist eine hervorragende Grundlage für das Projekt. Wir wollen gemeinsam und im Austausch mit den Landwirten erproben, was in der Praxis funktioniert – und nicht über die Köpfe derjenigen hinweg entscheiden, die die Flächen bewirtschaften. Daraus ergibt sich die große Chance, Wirksamkeit zu erzielen und Ergebnisse zu produzieren, die als Blaupause für weitere Maßnahmen dienen können. Die Strahlkraft, hier gemeinsam im Sinn des Niedersächsischen Wegs ein für alle Beteiligten akzeptables Ergebnis zu erlangen, wäre enorm“, betont der zuständige Dezernent Dr. Michael Kiehl (Landkreis Emsland).
Weniger Vorgaben, mehr gemeinsames Erproben
„Das Modellprojekt ist daher maximal unbürokratisch: Viele Vorgaben und Einschränkungen, die Landwirte in der Vergangenheit von der Teilnahme an klassischen Agrarumweltmaßnahmen abgehalten haben, wurden bewusst nicht übernommen. Wir wollen zeigen, dass mit regional zugeschnittenen, passgenauen Agrarumweltmaßnahmen Landwirtschaft gern bereit und zu überzeugen ist, am Natur- und Artenschutz mitzuwirken“, erläutert Kiehl.
Statt eines starren Maßnahmenkatalogs sollen nur wenige Auflagen und gemeinsame Ziele im Mittelpunkt stehen, um eine erfolgreiche Umsetzung zu erreichen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, von Beginn an für alle Flächen ein einheitliches Nutzungs- und Unterhaltungskonzept festzuschreiben. Gemeinsam mit den Landnutzern sollen unterschiedliche Formen der extensiven Bewirtschaftung ausprobiert und im Laufe des Projekts weiter optimiert werden.
Rund 42 Hektar Gewässerrandstreifen für den Biotopverbund
Kern des Vorhabens ist die ökologische Entwicklung von Gewässerrandstreifen. Insgesamt sollen rund 42 Hektar entlang der Gewässer mit einer artenreichen Dauergrünlandmischung hergerichtet werden. Vorgesehen sind Streifen von drei oder sechs Metern Breite beidseitig der Gräben beziehungsweise auf den ersten drei oder sechs Metern privater Flächen angrenzend an die Grabenparzellen. Anschließend sollen die Flächen extensiv und naturschutzfachlich gepflegt und erprobt werden.
Um eine insektenschonende Gewässerunterhaltung zu erreichen, sollen gemeinsam mit dem zuständigen Unterhaltungsverband unterschiedliche Vorgehensweisen getestet werden. Ziel ist es, herauszufinden, welche Form der Unterhaltung den größten ökologischen Nutzen bringt und gleichzeitig die notwendigen Anforderungen an die Gewässerunterhaltung erfüllt.
Landwirtschaft und Naturschutz sollen voneinander profitieren
Das Projekt verfolgt damit einen Ansatz, bei dem landwirtschaftlich wichtige Kulturflächen und Flächen für den Biotopverbund vereinbar nebeneinander funktionieren können. Voraussetzung dafür sind gegenseitiges Verständnis und eine ausreichende Wertschätzung der jeweiligen Anforderungen von Landwirtschaft und Naturschutz.
Die örtliche Landwirtschaft verbindet mit dem Projekt zudem die Erwartung, dass die Entwicklung zusätzlicher Landschaftsstrukturen dazu beitragen kann, die Region in der Agrarförderung nicht länger als Defizitraum für Landschaftsstrukturen einzustufen. Damit könnten perspektivisch auch Belastungen durch entsprechende Düngeeinschränkungen reduziert werden.
Wissenschaftliche Begleitung soll Wirkung belegen
Ob und wie wirksam die Maßnahmen sind, soll systematisch untersucht werden. In den ersten fünf Jahren werden insbesondere die Bestandsentwicklungen von Tagfaltern, Libellen, Feldvögeln einschließlich des Rebhuhns, Feldhasen und Heuschrecken erfasst. Damit soll nicht nur eine ökologische Aufwertung erreicht, sondern auch belastbar dokumentiert werden, welche Maßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen. Die gewonnenen Erkenntnisse können anschließend als Grundlage für die Weiterentwicklung ähnlicher Projekte im Emsland und darüber hinaus dienen.
Das Modellprojekt ist zunächst auf eine Laufzeit von zehn Jahren (2026 bis 2036) ausgelegt.

Bild: 29 Landwirte beteiligen sich an dem Modellprojekt in Dersum, das der zuständige Dezernent Dr. Michael Kiehl (r.) und Dr. Niels Gepp, Abteilungsleiter im Fachbereich Umwelt des Landkreises Emsland (4. v. l.), unter Beteiligung von Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken (4. v. r.) vor Ort vorstellten. (Foto: Samtgemeinde Dörpen)