Demokratiebildung und Erinnerungskultur
Landkreis Emsland lädt zur Podiumsdiskussion ins Kreisgymnasium St. Ursula ein
Haselünne. Bei der Gedenkfeier am 9. November 2025 hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor dem Hintergrund des erstarkenden Extremismus mit Nachdruck dazu aufgerufen, die Demokratie zu verteidigen. Bereits einen Monat später initiierte er den Tag der Demokratiegeschichte, der nun erstmals am 18. März stattfindet. Der Landkreis Emsland lädt aus diesem Anlass ab 17 Uhr ins Forum des Kreisgymnasiums St. Ursula, Klosterstraße 1, in Haselünne zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit dem Titel „Verantwortung und Zukunft – Demokratiebildung als Grundlage für eine neue Erinnerungskultur“ ein. Gemeinsam mit Gästen aus Wissenschaft, Schule und Zivilgesellschaft möchte er in den offenen und aktiven Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern treten.
„Es geht uns darum, die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Mitgestaltung verstärkt ins Bewusstsein zu rücken. Was können wir tun, um die Demokratie zu schützen? Wie erleben Schülerinnen und Schüler Demokratiebildung in Schulen und wie den erinnerungskulturellen Diskurs? Wie kann die Erinnerungskultur in Deutschland zukünftig gestaltet werden? Wie kann die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur in einer zunehmend pluralen Einwanderungsgesellschaft aussehen? Dies sind nur einige Fragen, mit denen wir uns in der Podiumsrunde beschäftigen möchten“, sagt Landrat Marc-André Burgdorf. Am Ende soll von dieser Veranstaltung ein nachhaltiger Impuls für die schulische und lokale Auseinandersetzung mit Demokratie- und Erinnerungsgeschichte ausgehen, betont er.
Mit dem Landrat werden der Historiker Prof. Dr. Dietmar von Reeken von der Universität Oldenburg, der Journalist und Publizist Hermann Vinke, Geschichtslehrerin und Podcasterin („Unterwegs in Erinnerungen“) Katrin Kleesiek-Herding, Norbert Schlee-Schüler, Schulleiter des Kreisgymnasiums St. Ursula Haselünne und Geschichtslehrer, Max Warzeska vom Kreisschülerrat und Erik Benten, Schüler des Kreisgymnasiums St. Ursula und dritter Bundessieger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2025, auf der Bühne über die Fragen zur Demokratiebildung und ihre Bedeutung für die Erinnerungskultur diskutieren. Moderiert wird die Podiumsdiskussion durch Ludger Abeln, Vorstandsvorsitzender der Caritas-Stiftung, der vielen aus Funk und Fernsehen bekannt sein dürfte.
„Erinnerungskultur“, so war jüngst in einer Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz zu lesen, „ist ein zentraler Bestandteil historisch-politischer Bildung. Sie unterstützt die Entwicklung von historischem Bewusstsein und Urteilsfähigkeit und trägt damit zur Stärkung demokratischer Grundhaltung bei“. Schulen als zentrale Orte der politischen Bildung haben eine besondere Verantwortung, junge Menschen zu einer reflektierten, dialogfähigen und demokratischen Auseinandersetzung mit Geschichte zu befähigen. Im Hinblick auf den Veranstaltungsort fiel die Wahl nicht zufällig auf das Kreisgymnasium St. Ursula. Erst im vergangenen Jahr wurde das Gymnasium beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten als „landesbeste Schule in Niedersachsen“ ausgezeichnet. Zum wiederholten Mal war die Einrichtung auch auf Bundesebene siegreich: Nach dem Erfolg von Hoang Long David Duong im Jahr 2024 (1. Platz) errang Erik Benten 2025 den dritten Platz. Nicht zuletzt ist auch über die wechselvolle Schulgeschichte, an die seit 2025 ein Informationspfad erinnert, eine Verbindung zum Diskussionsthema gegeben.
Der 18. März, der nun erstmals auch als Tag der Demokratiegeschichte begangen wird, ist ein zentrales Datum der deutschen Demokratiegeschichte, das für drei Meilensteine steht: die Gründung der Mainzer Republik 1793, die blutigen Barrikadenkämpfe der Märzrevolution 1848 in Berlin und die ersten freien Wahlen zur DDR-Volkskammer 1990.