Bedeutende Infrastrukturachse für das Emsland
Feierliche Inbetriebnahme der neuen Schleuse Gleesen am Dortmund-Ems-Kanal
Gleesen. Mit der Inbetriebnahme der neuen Schleuse Gleesen beginnt ein neues Kapitel für die Binnenschifffahrt auf der Dortmund-Ems-Kanal-Nordstrecke (DEK-Nord). Als erste von fünf Ersatzneubauten des Projektes „Neue Schleusen DEK-Nord" geht die modernisierte Anlage nun offiziell für den Schiffsverkehr in Betrieb.
Die neue Schleusenkammer mit einer Nutzlänge von 140 Metern und einer Breite von 12,5 Metern erfüllt die Anforderungen für übergroße Großmotorgüterschiffe (üGMS). Damit wird die rund 100 Jahre alte Infrastruktur an die Erfordernisse einer zukunftsfähigen Logistik angepasst. Ein zusätzliches Sparbecken nördlich der Kammer reduziert den Wasserbedarf und trägt zur Nachhaltigkeit des Projektes bei.
Marc-André Burgdorf, Landrat des Emslands:
„Das Emsland und die Region haben die Bedeutung des Ausbaus der DEK-Nordstrecke für die hiesige Wirtschaft und nachhaltige Transportwege früh erkannt und mit Engagement unterstützt – rund 3,6 Mio. Euro sind in den vergangenen zehn Jahren für Planungskosten von uns dafür aufgewendet worden. Der DEK ist eine bedeutende Infrastrukturachse für das Emsland und die gesamte Region, und das weiterhin steigende Güterverkehrsaufkommen kann nur bewältigt werden, wenn ein zügiger Ausbau geschieht. Mit der jetzt fertiggestellten Schleuse Gleesen erreichen wir ein wichtiges Zwischenziel bei der verbesserten Durchgängigkeit der DEK-Nordstrecke. Die beiden in Niedersachsen noch ausstehenden Schleusenbauwerke in Hesselte und Venhaus sollen nun in einem beschleunigten Verfahren früher ausgebaut werden. Dafür danken wir der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.“
Der Kooperationsvertrag zwischen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und der Region vom 6. November 2007 bildet das Fundament dieser gemeinsamen Anstrengungen.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr:
„Mit der neuen Schleuse Gleesen legen wir einen weiteren Meilenstein für eine leistungsstarke Wasserstraße in Deutschland. Dieses Projekt zeigt, dass wir uns konsequent nicht nur für den notwendigen Erhalt, sondern auch für den gezielten Ausbau der Binnenschifffahrt einsetzen. Jeder einzelne Neubau stärkt damit die Wasserstraßen insgesamt und trägt so zu einer vorteilhaften Verteilung der Transporte auf die Verkehrsträger bei.“
Grant Hendrik Tonne, Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen: "Die neue Schleuse Gleesen ist ein Gewinn für die gesamte deutsche Binnenschifffahrt und damit für den Wirtschaftsstandort Deutschland und ganz besonders für die Wirtschaft im Emsland. Sie stärkt den Dortmund-Ems-Kanal als zentrale Verkehrs- und Logistikachse und schafft bessere Bedingungen für moderne Gütertransporte auf dem Wasser. Die erfolgreiche Umsetzung zeigt, was möglich ist, wenn Bund, Länder und Region gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Jetzt gilt es, den weiteren Ausbau des Kanals entschlossen voranzubringen und die Wasserstraßenverwaltung dafür nachhaltig zu stärken.“
Das Projektgebiet umfasst die sogenannte „Schleusentreppe Rheine", auf deren 29 Kilometern sechs Schleusen einen Höhenunterschied von circa 29 Metern überwinden. Neben Gleesen gehören Bevergern, Rodde, Altenrheine, Venhaus und Hesselte dazu. Während Altenrheine bereits 1974 modernisiert wurde, stehen Arbeiten bei den übrigen Schleusen noch aus.
Anke Leue, Präsidentin der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS):
"Die neue Schleuse Gleesen ist mehr als nur ein technisches Bauwerk. Sie ist ein Symbol für die moderne Wasserstraßenpolitik der Bundesregierung. Da die Schleuse nun länger als ein Fußball-feld ist, bedeutet das für die Region, Unternehmen können künftig auch mit modernen Großschif-fen verlässlich durchfahren. Das stärkt die Wasserstraße als Transportweg für unter anderem Erdöl, Massengüter und Container. Diese müssen nun nicht mehr zwingend über die Straße transportiert werden, was für die Anwohner weniger Lärm, Emissionen und Stau auf den Straßen bedeuten kann. Ich danke allen Mitwirkenden herzlich für ihr großes Engagement."
Hintergrund zur verkehrsstrategischen Bedeutung:
Gemeinsam mit dem Mittellandkanal bildet der Dortmund-Ems-Kanal eine zentrale West-Ost-Ver-bindung des deutschen Binnenwasserstraßennetzes. Dadurch werden die Stromgebiete von Weser, Elbe und Oder sowie die Seehäfen an Nord- und Ostsee mit dem Ruhrgebiet und der Rhein-schiene verbunden. Zugleich stärkt der Dortmund-Ems-Kanal die Resilienz des Wasserstraßennetzes und dient bei Niedrigwasser als wichtige Ausweichstrecke. Gemäß dem Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der Streckenabschnitt der Netzkategorie B (Glossar: https://www.bvwp-projekte.de/glossar.html) zugeordnet.
Für den Streckenabschnitt wird laut Prognose bis 2030 eine Transportmenge von rund 4,4 Millionen Tonnen jährlich erwartet. Dies unterstreicht die besondere Bedeutung der DEK-Nordstrecke als wichtigen Verkehrskorridor.
Ein Binnenschiff mit einer Tragfähigkeit von 3.000 Tonnen kann bis zu 150 Lkw ersetzen. Diese Verlagerung entlastet nicht nur die Straßen, sondern kommt auch den Anwohnern sowie der gesamten Region zugute. Der Ersatzneubau der fünf Schleusen sorgt dafür, dass die Region nicht von der Entwicklung des deutschen und europäischen Binnenschiffsverkehrs abgekoppelt wird.
Weitere Informationen zum Projekt finden sich hier

Bild: Mit einer Länge von 140 Metern und einer Breite von 12,5 Metern wird die neue Schleusenkammer den Erfordernissen an eine zukünftsfähige Infrastruktur gerecht. (Foto: Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes)