25.02.2026

Vorbeugen, erkennen, unterstützen: FASD im Fokus

Fachkräfte aus Medizin und Jugendhilfe tauschen sich über Prävention und Hilfsangebote aus

 

Meppen. Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann lebenslange Folgen für Kinder haben. Bei einer Fachfortbildung der Hebammenzentrale des Landkreises Emsland informierten sich knapp 80 Teilnehmende aus verschiedenen Fachrichtungen über Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD), Prävention und konkrete Unterstützungsangebote.

 

Zahlreiche Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, der Kinder- und Jugendhilfe sowie angrenzenden Arbeitsfeldern beschäftigten sich intensiv mit den Auswirkungen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Fetale Alkoholspektrumstörungen gelten als häufigste Ursache für nicht-genetisch bedingte intellektuelle Beeinträchtigungen. Alkohol während der Schwangerschaft kann zu einer Vielzahl dauerhafter Entwicklungsstörungen führen, die sich körperlich, kognitiv und sozial bemerkbar machen. Um betroffenen Kindern bestmögliche Entwicklungschancen zu eröffnen, sind eine frühzeitige Erkennung, eine differenzierte Diagnostik sowie passgenaue Förder- und Unterstützungsangebote von zentraler Bedeutung.

 

Als Referent konnte Dr. Johann Böhmann, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Delmenhorst sowie Gründer des Vereins „Gesundheit im Kindesalter e.V.“ und des Delmenhorster Instituts für Gesundheitsförderung (DIG), gewonnen werden. In seinem fundierten und praxisnahen Vortrag beleuchtete er medizinische Hintergründe, typische Erscheinungsformen sowie diagnostische Herausforderungen. Zudem stellte er präventive Ansätze und konkrete Unterstützungsangebote vor. Dabei machte er deutlich, dass FASD noch immer häufig unerkannt bleibt und betroffene Kinder ohne gezielte Förderung erheblich benachteiligt sind.

 

„FASD ist vollständig vermeidbar – und dennoch sind viele Kinder betroffen, weil das Bewusstsein für die Risiken von Alkohol in der Schwangerschaft noch immer nicht ausreichend ausgeprägt ist. Prävention beginnt mit Aufklärung. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass betroffene Familien frühzeitig die Unterstützung erhalten, die sie benötigen“, betont Sozialdezernentin Dr. Sigrid Kraujuttis.

 

Im Anschluss an den Fachvortrag nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum intensiven fachlichen Austausch und zur Diskussion. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Medizin, Beratungsstellen, Jugendhilfe und Bildungseinrichtungen, um eine nachhaltige Förderung betroffener Kinder sicherzustellen.

Die Veranstaltung wurde von der Ärztekammer mit drei Fortbildungspunkten anerkannt und unterstrich die hohe Relevanz des Themas für die Praxis. Mit der Fortbildung setzte die Hebammenzentrale des Landkreises Emsland einen wichtigen Impuls, um Sensibilität, Fachwissen und Vernetzung rund um das Thema FASD weiter zu stärken und die Lebenssituation betroffener Kinder nachhaltig zu verbessern.

 

 

Bild: (v.l.) Iris Oldiges, Koordinatorin der Hebammenzentrale, Referent Dr. Johann Böhmann sowie Dr. Thomas Niehoff und Anja Henkel-Günsche vom Fachbereich Gesundheit zeigten sich erfreut über das große Interesse der Teilnehmenden (Foto: Landkreis Emsland)