Alte Rheder Kirche, Gedächtniskirche

(ehemalige katholische Pfarrkirche St. Nikolaus)

 

Die Geschichte der alten St. Nikolauskirche in Rhede (Ems) reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Im bis heute erhaltenen spätgotischen Bau ist mit dem Feldsteinsockel des Turms und dem Mauerkern des Kirchenschiffs noch der romanische Vorgängerbau dokumentiert. Das Obergeschoss des Turms ist mit der Jahreszahl 1470 datiert. Die drei Kreuzgewölbe im Innern sind mit gotischen Rankenmalereien und einer Christusdarstellung aus der Zeit um 1511 verziert.

 

Im frühen 20. Jahrhundert begannen im Ortszentrum von Rhede Planungen für einen neuen, größeren Kirchenbau, der 1913 fertig gestellt wurde. Mit der Errichtung der neuen katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus verlor die „Alte Kirche“ ihre Funktion, verschiedene Nutzungen bewahrten das Baudenkmal in den folgenden Jahren vor dem Verfall.

 

Ab 1950 begann man mit Planungen, die Kirche als Kriegerehrenmal umzugestalten. Der Kreisheimatverein Aschendorf-Hümmling setzte diesen Plan schließlich um, doch es dauerte noch bis 1964, bis die „Kreiskriegergedächtniskirche“ der Öffentlichkeit übergeben werden konnte.

 

Ein großer Gedenkstein aus Ibbenbürener Sandstein trägt die Inschrift „Den Opfern der Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“. 1991 übernahm der Landkreis Emsland die Kirche als Schenkung und überarbeitete das Erinnerungskonzept. Seither ist die Alte Rheder Kirche als „Gedächtniskirche“ ein zentraler Gedenkort für die „Opfer der Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.

 

Diese ungewöhnliche Geschichte der Alten Rheder Kirche wurde vom Landkreis Emsland und der Gemeinde Rhede in einer kleinen Dauerausstellung dokumentiert, die im Februar 2015 eröffnet wurde.

 

 

 


In der Gedächtniskirche finden Gedenkfeiern statt:

 

  • 8. Mai 1995
    Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und Neueröffnung als Gedächtniskirche für die „Opfer der Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
  • 13. Dezember 2001
    Gedenkfeier aus Anlass des 60. Jahrestages der Deportation jüdischer Menschen aus dem Emsland in das Ghetto Riga am 13. Dezember 1941
  • 20. Juni 2014
    Gedenkveranstaltung am anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkriegs

 

 

 

 

 

 

 

 


Zum Erinnerungskonzept in der Kirche gehören auch Konzerte. Seit 1999 steht hier eine italienische Orgel mit einmanualigem Werk aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist der italienischen Orgelbauerfamilie Cimino zuzuschreiben. Die Jahreszahl 1755 bezieht sich auf die vollständig erhaltene Bemalung des Gehäuses mit zwei Flügeltüren.

Den Ankauf der italienischen Orgel durch die Gemeinde Rhede im Jahr 1999 förderten:

 

  • Gerhard ten Doornkaat Koolman - Stiftung
  • Stiftung Niedersachsen
  • Johann-Alexander-Wisniewsky - Stiftung
  • Emsländische Sparkassenstiftung
  • Landkreis Emsland

 

Die Aufstellung in der Alten Rheder Kirche ist ideal für alte Orgelmusik und die damit in Zusammenhang stehende Gregorianik. Sie bereichert die Ems-Dollart-Region, die als reichste Orgellandschaft in Europa gilt und Instrumente aus sechs Jahrhunderten und verschiedener europäischer Orgelstile umfasst.