Siedlungsentwicklung

Ziel:

Die Bauleitplanung in den Kommunen soll auf die Stärkung der Siedlungskerne (Dorf- und Ortsmittelpunkte) ausgerichtet werden. Dabei ist anzustreben, dass Wohnquartiere entstehen, in denen Jung und Alt nach ihren jeweiligen Bedürfnissen leben können, zugleich aber als Generationenmix dem örtlichen Leben neue Impulse geben.

Bisherige Handlungsansätze:


In der Öffentlichkeit ist ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Städte und Gemeinden ihre Bauleitplanung in Anbetracht des demografischen Wandels auf die Entwicklung der Siedlungskerne ausrichten müssen.

Der Landkreis unterstützt die Städte und Gemeinden bei der Neuausrichtung ihrer Bauleitplanung.

Der angestrebte Generationenmix soll ferner durch eine wohnortnahe Versorgung mit Senioreneinrichtungen unterstützt werden.

Der altersgerechte Um- und Ausbau der kommunalen Infrastruktur ist durch Umnutzung vorhandener Bausubstanz flexibel zu unterstützen.

Was wurde/wird gemacht:

Die Notwendigkeit zur Innenentwicklung der Gemeinden wurde als wesentliches Thema beim Landschaftstag 2010 in Hüven in der Samtgemeinde Sögel mit dem Titel „Zukunft für unsere Dörfer“ der Emsländischen Landschaft e.V. thematisiert. Exemplarisch berichtete
ein Bürgermeister aus Bayern vom gemeinsamen Vorgehen mehrerer Gemeinden im Oberen Werntal in unmittelbarer Nähe zur Stadt Schweinfurt, die sich freiwillig, aber aus guten Gründen, ausschließlich auf eine Innenentwicklung verständigt und eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen haben.

Bei einer Bürgermeisterdienstversammlung am 03.12.2009 wurde vom Landrat das Thema „Wohnen im Alter“ präsentiert. Auch wenn in diesem Bereich bisher noch Konflikte mit den Städten und Gemeinden zu erwarten sind, machte der Landrat aus Sicht der Kreisverwaltung
deutlich, dass zwingend das Siedlungsmanagement bzw. das Thema Innenentwicklung stärker in das Bewusstsein der handelnden Akteure rücken muss.

Das Thema Innenentwicklung wurde ebenso seit Monaten im Arbeitskreis Demografie mit den emsländischen Gemeinden anhand vielfältiger bundesweiter Projektbeispiele beraten. Dieses Expertennetzwerk mit Vertretern der emsländischen Kommunen und den hiesigen Regionalmanagern, denen vor Ort eine wesentliche Multiplikatorenfunktion zukommt, ist sich absolut darin einig, dass mittlerweile der Blick auf eine sinnvolle Innenentwicklung zu richten ist.

In der Gemeinde Vrees ist ein Modellprojekt „Wohnen & Pflege“ durch die Umgestaltung eines ehemaligen Bauernhauses in Planung. Der Landkreis unterstützt dieses Vorhaben
beispielsweise bei der Suche nach Fördermöglichkeiten. Eine erste Machbarkeitsstudie konnte bereits erstellt werden. Ziel des Projektes ist es, das Altwerden vor Ort unter Einbeziehung ehrenamtlichen Engagements kostengünstig zu realisieren. Dieses Modellprojekt ist, sofern es sich als realisierbar erweisen sollte, als nachahmenswert für viele Dörfer im Emsland anzusehen.

Einen Beitrag zum altersgerechten Um- und Ausbau im privaten Bestand leisten die qualifizierten ehrenamtlichen Wohnberater/innen durch ihr kostenloses Beratungsangebot. Die Koordination erfolgt über das Seniorenservicebüro.

Für die Gemeinde Rhede (Ems) konnte modellhaft durch den Landkreis eine spezielle Analyse auf der Grundlage vorhandener Geoinformationsdaten vorgenommen werden.
Im Ergebnis werden Aussagen bzw. Prognosen über die zukünftige Entwicklung im Gebäudebestand abgeleitet. Die Gemeinde hat mit dieser Prognose zur Gebäudenutzung eine solide Grundlage für die örtliche Bauleitplanung.


Ergänzende Handlungsansätze/Fortschreibung:

Ein Forschungsprojekt im Bereich der Siedlungsentwicklung „Qualifizierungsstrategien für die zukünftige nachhaltige Nutzung von Einfamilienhausbeständen der 1950er bis 1970er Jahre“ bietet mittelfristig neue Planungsaspekte. Bei diesem auf zweieinhalb Jahre angelegten bundesweiten Forschungsprojekt der Wüstenrot Stiftung ist unter anderem die Stadt Meppen im Rahmen einer Fallstudie beteiligt. Es sollen im Ergebnis konkrete städtebauliche und infrastrukturelle Anpassungsoptionen identifiziert und bewertet werden. Gebrauchte Immobilien sollen als adäquate Alternative zum Neubau bestehen können. Die Ergebnisse dieser Studien gilt es zu gegebener Zeit mit den emsländischen Städten, Samtgemeinden und Gemeinden zu beraten.

Über eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der kommunalen Bauämter soll bzw. könnte ein konkretes Handlungskonzept für eine zukunftsfähige Siedlungsentwicklung und ein kommunales Flächenmanagement erarbeitet werden. Koordinierend soll hier die Regionalplanung der Kreisverwaltung eingebunden werden.
 
Über die Ziele ist sich die Arbeitsgruppe schon einig:
 
  • Verwaltung, Politik und Bevölkerung sollen für das Thema Innenentwicklung sensibilisieren werden.
  • Es ist das Bewusstsein für eine Siedlungsflächenpolitik unter besonderer Berücksichtigung von Bestandsimmobilien, Leerständen und Baulücken sowie Folgekostenlasten für technische und soziale Infrastruktur zu wecken.
  • Wohnen in den Ortslagen soll auch für Familien mit Kindern wieder interessant gestaltet werden.
  • Die Innenentwicklung alter Orts- und Stadtkerne sollte gefördert werden.
  • Die Versorgungsfunktion soll in allen Dörfern trotz deutlicher Überalterung erhalten bleiben.
  • Es gilt, die Chancen im Wettbewerb um künftige Fördergelder zu verbessern (vorbereitende Funktion für mögliche Projekte).
  • Eine Änderung der Priorität von Neubau auf Sanierung bzw. zumindest Aktivierung eines interessanten Angebotes an Alternativen im Innenbereich ist anzustreben.
  • Fundierte Entscheidungsgrundlagen sind zu schaffen, um zukünftige Auswirkungen vor Ort besser einschätzen zu können (z.B. Prognose Leerstand, Baulückenkataster oder ähnliches / möglichst flächendeckend für das gesamte Kreisgebiet).
  • Ein Erfahrungsaustausch zu Möglichkeiten der GIS-Anwendungen soll genutzt werden.
 
Informationsveranstaltungen für Kommunalpolitiker sollen den notwendigen
Sensibilisierungsprozess unterstützen. Info-Material beziehungsweise eine themenbezogene Präsentationsvorlage können die emsländischen Kommunen über den Demografiebeauftragten beziehen.

Es gilt Offenheit für neue Planungsinstrumente wie beispielsweise der kommunalen Wohnmarktbeobachtung (Entwicklungsanalyse anhand spezieller Daten) zu entwickeln und gegebenenfalls Modellprojekte zu initiieren.


Ergänzende Informationen:

Exemplarisch wird zur Information auf die nachfolgenden Links hingewiesen:

http://www.lean2.de/ (Kommunale Finanzen und nachhaltiges Flächenmanagement in NRW)

www.melap-bw.de/ziele/index.html (Flächenmanagement in Baden Württemberg)


Aber auch regionale und lokale Aktivitäten bringen beim Thema Siedlungsentwicklung neue Impulse, so ist beispielsweise auf das Projekt 'Alt werden in Vrees - Wir für Euch' hinzuweisen.

Ferner befasste sich der Landschaftstag 2010, eine Veranstaltung der Emsländischen Landschaft e.V. für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim, mit der Sicherung der Lebensqualität im ländlichen Raum im demografischen Wandel. Eine Dokumentation dieser Veranstaltung finden Sie hier.